Gleichstellung JA – Individualbesteuerung NEIN
In den letzten Wochen höre ich es immer wieder: Mit der Individualbesteuerung komme endlich die Gleichstellung. Und überhaupt – zwei Steuererklärungen auszufüllen sei ja wohl kein Problem.
Ganz ehrlich: Diese Verkürzung nervt mich.
Ich bin eine berufstätige, fortschrittliche Frau. Gleichstellung bedeutet mir viel. Und ich lasse mir nicht erklären, dass ich mit einem Nein zur Individualbesteuerung plötzlich in den 1960er-Jahren stehen geblieben sei.
Gleichstellung heisst Wahlfreiheit. Für mich bedeutet das: Paare sollen selbst entscheiden können, wie sie Erwerbs- und Familienarbeit aufteilen – ohne finanzielle Nachteile. Haushalte mit ungleichen Einkommen – und davon gibt es heute mehr denn je – oder mit nur einem Erwerbseinkommen geraten unter Druck. Lebensphasen mit Betreuung, Pflege oder Weiterbildung werden steuerlich unattraktiver.
Das hat nichts mit «Frauen zurück an den Herd» zu tun. Das hat mit realen Lebensrealitäten zu tun.
Das Frauenstimmrecht mit dieser Vorlage zu vergleichen, ist zudem schlicht falsch. Damals ging es um politische Grundrechte. Heute geht es um ein Steuersystem. Das ist nicht dasselbe.
Zudem wird so getan, als ginge es bloss um zwei Formulare statt einem. Das stimmt nicht. Einkommen und Vermögen müssten vollständig getrennt und neu deklariert werden – Immobilien, Vorsorge, Schulden. Das bedeutet mehr Aufwand, mehr Kosten, mehr Bürokratie. Das ist kein Fortschritt.
Ja, die Heiratsstrafe gehört abgeschafft. Aber mit der alternativen Steuerberechnung liegt eine bessere Lösung auf dem Tisch – ohne das System komplett auf den Kopf zu stellen.
Ich stehe ein für echte Wahlfreiheit, Gleichstellung und ein modernes, faires Steuermodell. Darum sage ich Nein.
Nicht aus Nostalgie.
Sondern aus Überzeugung.